Kaum Hürden und Stolperfallen
  • Allgemeine Zeitung Mainz

Kaum Hürden und Stolperfallen

Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist und mit dem Auto in die Stadt fährt, sieht sich oft mit Hindernissen konfrontiert, die für andere Menschen unsichtbar sind. Der Auto Club Europa (ACE) beschäftigt sich in diesem Jahr mit der Barrierefreiheit deutscher Parkflächen und hat dabei auch vier Mainzer Parkhäuser unter die Lupe genommen. Das Urteil ist weitgehend positiv. „Die erste Hürde, die Menschen mit Behinderung und andere überwinden müssen, wenn sie in die Stadt fahren, ist die Parksituation“, erklärt Stephan Vormerker vom ACE. Gemeinsam mit seinem Kollegen Volker Schork hat er die Parkhäuser Taubertsberg, Cityport, Kronberger Hof und am Brand auf 15 Kriterien der Barrierefreiheit überprüft. Neben der Verfügbarkeit von Behinderten- und Eltern-Kind-Parkplätzen wurden auch beispielsweise Beleuchtung, Fahrstühle, Notausgänge und E-Lademöglichkeiten betrachtet. „Es gibt in Mainz keine wirklich schlechten Parkhäuser“, fasst Vormerker zusammen. Lediglich im Parkhaus am Brand haben die Experten kleine Mängel entdeckt – so haben sie etwa festgestellt, dass die schweren Türen zum Treppenhaus über keine automatische Öffnung verfügen. Für Menschen im Rollstuhl oder am Rollator unter Umständen ein großes Problem: „So kann an einer Kleinigkeit das ganze Konzept scheitern.“ Positiv schneidet vor allem der moderne Cityport ab, der wie die meisten Mainzer Parkhäuser von der Parken in Mainz GmbH (PMG) betrieben wird. Barrierefreiheit sei beim Bau neuer Parkhäuser stets ein wichtiges Kriterium gewesen, versichert PMG-Pressesprecher Michael Bonewitz. So erfülle man alle gesetzlichen Vorgaben des Baurechts für barrierefreie Zugänge; zusätzlich werden die Häuser regelmäßig durch PMG-Personal kontrolliert und begangen. „Bisher gab es keine uns bekannten Beschwerden bezüglich mangelnder Barrierefreiheit.“ Eine ähnliche Einschätzung gibt der städtische Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung Bernd Quick: „Parkhäuser sind bei uns kein besonders großes Thema“, sagt er. Bei allen Fragen der Barrierefreiheit im städtischen Raum ist er der Ansprechpartner und vermittelt zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Verwaltung. Im Gegensatz zu Hürden im öffentlichen Raum oder in den Fahrzeugen des ÖPNV sei ihm kein Missstand in Mainzer Parkhäusern bekannt. Bei der Planung neuer Parkhäuser werde der Behindertenbeauftragte jedoch immer mit einbezogen – wenn diese sich am PMG-Konzept orientieren, wäre Bernd Quick glücklich. „Ich finde das Konzept sehr gut. Es geht dabei nicht nur um mobilitätseingeschränkte Menschen, sondern auch um Dinge wie Licht und Leitlinien“, erklärt er. Ausreichende Beleuchtung sowie ein kontrastreiches Orientierungssystem seien vor allem für Blinde oder sehbehinderte Menschen essenziell. Obwohl diese Personengruppen das Parkhaus in der Regel nur in Begleitung befahren, sei es wichtig, dass sie sich selbstständig zurechtfinden können. Die ACE-Initiative zum Schwerpunkt Barrierefreiheit läuft noch bis September, die Ergebnisse werden im Anschluss präsentiert. Begleitet wird die Aktion auch von einem Fotowettbewerb, bei dem noch nicht behobene Barrieren fotografiert und so auf Missstände aufmerksam gemacht werden kann.

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